Modell eines Duala-Rennbootes

Herkunft: Duala, Kamerun, Afrika
Material: Leichtholz, europäische Ölfarbe
Maße: L. 162 cm, H. 32 cm
Datierung: um 1900

Die Duala waren seit dem 18. Jahrhundert als kriegerische Küstenseefahrer, Flussschiffer und Händler über die Kamerunbucht und das nahe Hinterland hinaus bekannt. Heute sind sie weitgehend verstädtert und europäisiert und in den Berufszweigen des modernen Staatswesens im westlichen Kamerun aktiv. Ihre Sprache diente vielen Völkern bereits im vorkolonialen Handel als lingua franca, was ihre Bedeutung als Zwischenhändler zeigt. Handelsgüter waren Elfenbein, Palmöl, Gummi, aber auch Sklaven. Unter der kolonialen Herrschaft nutzten sie die Vorteile des ihnen vertrauten Flusshandels und unterstützen damit auch die Entwicklung der europäischen Kokosnussplantagen und die Verteilung ausländischer Produkte. Als Handelskonkurrenten kamen sie aber auch in Konflikt mit den deutschen und französischen Kolonialverwaltungen und spielten eine führende Rolle in der antikolonialen Bewegung.

Die Duala benutzten als Fischer und Händler Kanus, die als die besten und größten ganz Westafrikas galten und im Durchschnitt fünfzig Passagiere fassen konnten. Sie waren meist aus einem Stück Holz geschnitzt (Einbaum) und mit geometrischen Mustern bemalt. Früher dienten diese Boote auch Kriegszwecken, und in der Kolonialzeit wurden zu Ehren des deutsche Kaisers damit volksfestähnliche Kanuregatten abgehalten. Dafür wurden die Boote mit kunstvoll geschnitzten und bemalten Bugverzierungen geschmückt. Die Rennboote mit bis zu siebzig Paddlern waren so schnell, dass sie sogar einen Dampfer in voller Fahrt überholen konnten. Auf dem Boot saß auch ein Trommler, der die Mannschaft zu höchster Leistung antrieb.

Zu den beliebtesten Reiseandenken zählten daher Modell-Rennboote, die während der Kolonialzeit von den Duala für Europäer verfertigt wurden und die in verschiedenen Versionen in den großen Museen Europas zu finden sind. Sie stehen geradezu als kulturelle Metapher für die wasserorientierte Existenz der Duala. Sie können aber auch als „Colon-Figur“ interpretiert werden: Plastiken dieser Art waren in Westafrika zur Kolonialzeit weit verbreitet und stellten die weißen Herrscher in karikierender Art und Weise dar. Sie dienten als (geistige) Waffe und als Mittel, um Hohn und Spott über ihre „Herren“ auszudrücken.

Auch dieses Stück zeigt eindeutig rotgesichtige Europäer, und zwar deutsche Marineangehörige in ihren schwarz-weißen Uniformen und Schirmmützen. Die Gesichter der zwölf Ruderer und des Steuermanns sind detailliert gestaltet, aber nicht als Individuen, sondern uniform. Die Torsi mit beweglichen Armen und eingesteckten Paddeln sowie die Außenseite des Kanus sind mit europäischer Ölfarbe bemalt. Üblicherweise waren auch die Modell-Boote mit Bugaufsätzen verziert, der hier aber verloren ging. Gerade bei diesen Schiffsaufsätzen war die Übernahme von europäischen Elementen in die Duala-Kunst besonders deutlich: zumeist fanden sich neben der Darstellung von traditionellen Tiermotiven auch geschnitztes nautisches Gerät aus Europa wie Schiffslampen oder Räder. Über ihre Funktion als Dekoration hinaus reflektierten diese Schiffsschnäbel das traditionelle Vertrauen der Duala in schützende und magische Sinnbilder, hier ausgedehnt auf europäische Technologie. Und ob es ein Zufall ist, dass sich die bei den Duala verwendeten Farben (Schwarz, Weiß, Rot) mit denen des Deutsches Reiches deckten?

 

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